Obwohl seit 15 Jahren in England bekannt, wird erst heute ernst gemacht !
Wie viele Tiere sind eigentlich krank ?
Die Diskussion um BSE und tierische Produkte hat gerade erst angefangen. Die in England vor 15 Jahren erstmalig aufgetretene Krankheit hat nun nachweislich auch Deutschland erreicht. Bei bisher 14 Fällen in verschiedenen Bundesländern - in eher kleinen bis mittleren Betrieben, - wird für dieses Jahr mit ca. 500 nachweislich infizierten Tieren gerechnet.
Wie viele Tiere vor Beginn der Testung mit BSE infiziert waren ist unbekannt. Wie viele Portionen infektiöses Gewebe bisher in die Nahrungskette gelangten und welche Folgen dies für die Bevölkerung haben wird, ist im Moment nur schwer abzuschätzen.
Die BSE Erkrankung ist nicht durch das Auftreten von Symptomen bei Tieren entdeckt worden, sondern durch Testung nach der Schlachtung. Über diese 500 erwarteten erkrankten Tiere hinaus, können jüngere gesunde Tiere ebenfalls infiziert sein und ungetestet in die Nahrungskette gelangen. Weiterhin ist der Test nur dann aussagefähig, wenn die Krankheit das Gehirn erreicht hat, da nur Hirnproben entnommen werden. In Infektionsversuchen bei der Maus war der Erreger Monate vor einem Nachweis im Gehirn ( 260 Tage nach Infektion ) in Darmlymphknoten und Nervenzellen des Darms (bereits 45 Tage nach Infektion) nachweisbar. Somit wäre denkbar, dass auch kranke Tiere mit gesundem Gehirn und dadurch als gesund deklariert in die Nahrungskette gelangen.
Das Umsteigen auf den Konsum anderer Tierarten ist wirklich keine gute Alternative, da BSE bisher auf 20 andere Tierspezies u.a. Schwein, Strauß und Schaf übertragbar war. Gerade Schwein und Geflügel werden womöglich immer noch mit Tiermehl gefüttert, von dem anzunehmen ist, dass es mit Prionen verseucht sein muss. Die BSE erkrankten Rinder haben sich sehr wahrscheinlich damit infiziert, obwohl angeblich nur Spuren vom Tiermehl in ihrem - schon seit 1994- vorgeschriebenem pflanzlichen Futter enthalten sein sollten. Da Schweine nur für die Schlachtung gehalten werden, werden die Tiere in der Regel nicht alt. Also könnte es sein, dass die Schweine eine mögliche Erkrankung gar nicht erleben. Das heißt nicht, dass sich kein infektiöses Material in Ihnen finden ließe, wenn man danach suchen würde !
In Werbeprospekten der Centralen Marketing Gesellschaft der Agrarwirtschaft CMA wurde Rindfleisch in Deutschland bis vor kurzem als sicher gepriesen. Sie beziehen sich auf die Fütterungsexperimente der Tiermedizinischen Fakultät der Uni Hannover, die negativ verlaufen seien. Die Schweine hätten sich durch Verfütterung von verseuchtem Tiermehl nicht angesteckt und hätten dabei ihr normales Lebensalter von ca. 7-8 Jahren unbeschadet erreicht. Dagegen steht der Nachweis von Infektionen bei Zooschweinen. Andere Wissenschaftler, wie z.B. ganz aktuell im Deutschen Ärzteblatt vom 8.1.2001, stellen die Sicherheit von Schweinefleisch und auch die von Körperflüssigkeiten, also auch Milch, wieder in Frage.
Schaffleisch wird derzeit als besonders gefährlich angesehen, da BSE beim Schaf leicht mit Scrapie verwechselt werden kann. Scrapie gilt weiterhin als nicht ansteckend für den Menschen, obwohl es Hinweise, insbesondere bei einer Gruppe von Patienten in Slovakien, gab. Auch bei der bisher bekannten Form der Creutzfeld-Jakob-Krankheit mehren sich die Hinweise, dass tierische Produkte bei der Entstehung mit eine Rolle spielen könnten.
Die Aussagen bleiben also widersprüchlich. Es kann sein, dass eine Artgrenze die Ansteckung tatsächlich schwieriger macht, so dass möglicherweise höhere Dosen erforderlich sind. Diese Artgrenze ist ein Grund weswegen man die bisher bekannten Untersuchungen zur Sicherheit von Milch jetzt in Zweifel zieht, da zu diesem Zweck Milch infizierter Kühe an Mäuse verfüttert wurde. Ein Ausbleiben der Erkrankung stellt nach bisherigem Wissen aus dem Tierversuch keine 100% Sicherheit für den Verbraucher dar. In Versuchen an bestimmten Mäusen wurden diese nicht krank, ihr Gehirn enthielt jedoch genug Prionen um andere Tiere damit anzustecken.
Diese vielen Unsicherheitsfaktoren sind durch die Art des Erregers, die Inkubationszeit, die fehlende Forschung, die Geschichte der Krankheit und die politischen Entscheidungen erklärbar. Bis auf absehbare Zeit werden diese Fragen auch nicht entgültig zu klären sein. Das Ausmaß des Risikos für den Menschen ist bisher nur schwer abschätzbar. Man erwartet derzeit ca.135.000 Toten an der neuen Variante der CJD in England. Im Verhältnis zu dem Ausmaß der Durchseuchung,- jeder Brite habe ca. 50 Portionen verseuchtes Fleisch gegessen-, ist das keine hohe Infektiosität. Anderseits weiß man aus der Erforschung der Kuru-Krankheit (Lach-, Schüttelkrankheit der Eingeborenen Westguineas), dass noch 40 Jahre nach der ersten Epidemie Menschen an Kuru erkranken, die nachweislich später kein verseuchtes Hirn mehr gegessen haben. So wissen wir nicht, welches Ausmaß die Seuche letztlich erreichen wird. In Anbetracht von ca. 2 Millionen Toten an Malaria jährlich , der Anzahl an HIV, Hepatitis B und Tuberkulose Erkrankten weltweit, stellen die Transmisiblen spongiformen Encephalopathien beim Tier und beim Mensch ein im Verhältnis geringeres Risiko dar. 1994 waren in Deutschland allein 200.000 Menschen an Salmonellose erkrankt, davon verstarben immerhin 200 in einem Jahr, mehr als doppelt so viel wie an der neuen Variante der CJD in England in 5 Jahren erkrankten. Wirklich bedenklich ist derzeit hauptsächlich die nicht bekannte, aber wahrscheinlich sehr lange Inkubationszeit, die Zeit also von der Ansteckung bis zum Ausbruch der Erkrankung.
"Das nicht Vorhandensein eines Beweises sollte nicht als Beweis für das nicht Vorhandensein genommen werden"
Sir Sherlock Holmes
Im Tierversuch ist eine Dosis/Wirkung - Beziehung nachgewiesen worden. Das heißt: wenige Prionen, geringeres Risiko, daher kann es durchaus Sinn machen, auch erst ab jetzt keine oder weniger tierische Produkte zu essen. Aus diesem Grund ist eine vegetarische Alternative durchaus zu empfehlen. Eine ausgewogene lacto/ovo vegetarische Ernährung mit einem ausreichenden Anteil an Hülsenfrüchten deckt alle Bedürfnisse sowohl des Kindes als auch des Erwachsenen. Die Frage nach der Sicherheit von Milch kann derzeit nicht beantwortet werden. Eine vegane Ernährung, also unter Verzicht auf Milch und Eiern kann auch alle Bedürfnisse des Menschen decken, erfordert jedoch größere Sachkenntnisse und eventuell eine Vitamin B 12 Supplementierung. Fleischersatzprodukte aus Soja sind eine große Hilfe bei der Umstellung auf eine vegetarische Ernährung. Es können weiterhin bekannte Rezepte eingesetzt werden, was die Umstellung einfacher macht. Soja selbst wird seit Jahrtausenden in Asien gegessen. Das darin enthaltene Eiweiß weist eine sehr hohe Wertigkeit auf. Aber auch ohne Soja ist aus Kombinationen von Hülsenfrüchten und Getreiden eine solche Wertigkeit zu erreichen. Pflanzliches Protein ist nachweislich weniger atherogen, das heißt es trägt nicht wie tierisches Eiweiß zu Gefäßverkalkungen bei. Außerdem wirkt es sich besonders günstig auf den Fettstoffwechsel aus.
Tatsächlich senkt man mit einer solchen Ernährung nicht nur sein BSE-Risiko, sondern verbessert nachweislich seine Gesundheit. Erste Untersuchungen zum Thema Lebensalter und Lebensstil fanden bei 27.530 Adventisten in Californien über 20 Jahre statt und ergaben bei dieser lacto-ovo-vegetarisch lebenden religiösen Gemeinschaft eine um 11 Jahre höhere Lebenserwartung und eine bessere Lebensqualität. Takeshi Hirayama, ein japanischer Forscher war beeindruckt von diesen Ergebnissen und startete die bislang größte prospektive (also lebensbegleitende) Untersuchung zur Beziehung von Lebensstil und Lebenserwartung. Nach 17 Jahren konnte er 90% der 265.118 teilnehmenden Personen nachuntersuchen und stellte fest, daß sich bei einem optimalen Lebensstil die Krebsrate um fast 60% senken ließ, die Herzinfarktrate um über 50%. Der optimale Lebensstil entsprach in wesentlichen Aspekten der Lebensform der Siebenten-Tags-Adventisten, die neben einer lacto-ovo-vegetarischen Lebensform nicht rauchen und keinen Alkohol trinken. Besonders das Essen von Gemüse war unabhängig von weiteren Risikofaktoren ein besonders schützender Faktor.